Für die FDP kommt es gerade beim Thema Mehrwertsteuererleichterung für Hotels (Stichwort: ‚Mövenpick-Partei‘) knüppeldick und so richtig blicke ich nicht mehr durch, wer da gerade für was steht. Ich versuche trotzdem, den aktuellen Stand zu rekonstruieren.
In NRW distanziert sich der FDP-Vorsitzende Andreas Pinkwart von seiner im Bundestagswahlkampf geforderten Mehrwertsteuersenkung für Hotels, weil die FDP in NRW in allen Umfragen im Sinkflug ist. „Der Glanz des Sieges bei den Bundestagswahlen ist dahin, die eigenen Leute machen in wachsender Panik Landtagswahlkampf gegen den Bund“, attestiert Nico Fried in der Süddeutschen Zeitung. Sogar der NRW-Koalitionspartner in Person des CDU-Vorsitzenden Jürgen Rüttgers spöttelt über eine Steuerpolitik der Schwarz-Gelben Steuerpläne in Berlin, die „nicht von tiefer Weisheit geprägt“ ist. Dabei hat auch er selbst dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz, zu dem diese Steuererleichterung gehört, im Bundesrat zugestimmt.

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Es ist so: Wenn man bei der CDU einmal etabliert ist, kann man noch so viel Mist bauen – man fällt immer auf die Füße. Vielleicht wird man mal ein wenig gerügt, damit die Öffentlichkeit zufrieden ist. Aber innerhalb der in Stein gemeißelten Machtstrukturen greifen in der CDU alte Treue-Bündnisse. Hinter geschlossenen Türen schlägt man sich krachend auf die Schulter und sichert sich zu, stets weich zu fallen.
So geschieht es jetzt mit Ex-Bau- und Verkehrsminisgter Oliver Wittke: Er bekommt einen guten Listenplatz 7 auf dem silbernen Tablett serviert (Aachener Nachrichten und WAZ von heute). 2005 besetzte der Gelsenkirchener noch Platz 10 der Landesliste. Rüttgers und die CDU scheinen sich nicht weiter an Wittkes diversen Unanständigkeiten zu stören. Sein Abloosen als Verkehrsminister mit 109 km/h in der 50-Zone, sein “Ich kann auch mit Doofen”, seine unangemessenen Äußerungen über Amtskollegen, Marktvorteile für seinen neuen Arbeitgeber durch Insiderinformationen – bei der CDU alles verjährt.
Verkehrsminister Wittke wird im November 2008 bei massiver Geschwindigkeitsüberschreitung innerhalb einer geschlossenen Ortschaft geblitzt und muss seinen Lappen abgeben. Am 11. Februar 2009 tritt er deswegen von seinem Ministeramt zurück – Rüttgers rügt ihn öffentlich. Im Juni des Jahres wird dann bekannt,

Es wird heutzutage immer schwieriger, guten Journalismus zu machen und vielleicht noch schwieriger, guten Print zu produzieren. Marktinteressen rücken zunehmend in den Vordergrund, der Anzeigenkunde ist König, der Nachwuchs hangelt sich von Praktikum zu Zeitvertrag zu Praktikum, kurz: die Krise macht auch vor den Zeitungsredaktionen nicht halt. Wo Stellen gestrichen werden, weniger Journalisten für mehr Inhalt verantwortlich sind, gar ganze Zeitungsredaktionen inhaltlich zusammengelegt werden wie jüngst geschehen bei der WAZ-Gruppe, geraten die Blattmacher unter Druck.
Natürlich gibt es sie, die Journalisten, die auch in dieser angespannten Situation im täglichen Geschäft versuchen, das Beste draus zu machen; und manch einer hat wohl im Laufe seiner Karriere mal davon geträumt,

Hendrik Wüst, Generalsekretär der CDU NRW, hat offenbar Gedächtnislücken. Und das mit 34. Überhaupt hat er es nicht leicht. 9756 Euro Diäten als Landtagsabgeordneter und 8000 Euro Gehalt von der CDU bedeuten eine gewaltige Bürde. Man hat ja auch so viel Verantwortung. Da kann man schon mal vergessen, seinem Arbeitgeber, dem Landtag Nordrhein-Westfalens, mitzuteilen, dass man von seinem anderen Arbeitgeber, der CDU NRW, 120 Euro monatlich an Zuschüssen zu seiner privaten Kranken- und Pflegeversicherung bezieht. Wüst hatte nämlich gleichzeitig vom Landtag den Höchstsatz von 310 Euro monatlich erhalten – die 120 Euro hätten aber davon abgezogen werden müssen.
Natürlich musste Wüst als Abgeordneter zu Beginn der Legislaturperiode per Fragebogen durch Ankreuzen der entsprechenden Felder Angaben über die Art seiner Krankenversicherung machen. In diesem Fragebogen ist die Passage fett gedruckt, dass der Politiker den Beginn einer Bezuschussung von anderer Seite dem Landtag mitzuteilen hat. Dennoch sei es dem Volljuristen leider durchgegangen, diese Angaben zu machen; es sei ihm “nicht bewusst” gewesen. Vom Focus-Magazin daran erinnert, habe er die 6100 Euro denn auch gleich.. usw. usf.
Als Ratsmitglied der CDU-Fraktion in seinem Heimatort Rhede kassierte Wüst darüber hinaus seit 2004 jeden Monat eine Pauschale von zuletzt 184 Euro. Rhedes Bürgermeister Lothar Mittag bestätigte gegenüber der WAZ, Wüst habe allerdings nur 16 von 36 Ratssitzungen besucht und an Fachausschüssen habe er gar nicht teilgenommen. Wüst räumte ein, wegen “terminlicher Überschneidungen” habe er 2009 auch nicht mehr für den Rat kandidiert.
Und so windet er sich, Hendrik Wüst, der Hardliner,
Heute erschien eine kleine Meldung auf Seite A4 in der Rheinischen Post:
“Video-Beobachtung: CDU zieht Konsequenzen
Düsseldorf (hüw) CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst zieht personelle Konsequenzen aus der ‘Videoaffäre’. Nach Informationen unserer Zeitung trennt er sich von Mitarbeitern in der Düsseldorfer CDU-Zentrale. Ihnen wird vorgeworfen, mit einem inzwischen versetzten Mitarbeiter der Zentrale gegen die Parteiführung intrigiert zu haben. Höhepunkt sei die Veröffentlichung interner E-Mails im Zusammenhang mit der Video-Beobachtung von SPD-Landeschefin Kraft durch die CDU gewesen.”
Wir erinnern uns: Nach unserer erfolgreichen Video-Reihe zu “Rüttgers Welt”, in deren zweitem und drittem Teil der Ministerpräsident Rumänen und Chinesen mit rassistischen Vorurteilen bedenkt, dachten sich Mitarbeiter der nordrhein-westfälischen CDU: “So ein total erfolgreiches Wahlkampf-Video brauchen wir auch. Lasst uns doch mal ein Profi-Kamerateam auf Hannelore Kraft ansetzen.”

Foto: Copyright Marco Urban
Interviews mit Hannelore Kraft konnte man in letzter Zeit in vielen Medien lesen oder hören.
Hier alle Gespräche der SPD-Landesvorsitzenden aus den letzten Tagen zum Nachlesen.
Hannelore Kraft im Interview mit der Westdeutschen Zeitung
Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen